Sonntag, 6. September 2015

Perspektive "Deutschland"

Mich erreichen derzeit sehr viele E-Mails von Lesern, die meine Position in Punkto „Flüchtlinge“ nicht ganz nachvollziehen können. Ich möchte mich deshalb nochmals dazu äußern und hoffe, dass man meine Meinung dadurch womöglich etwas einfacher verstehen kann.

Mich kontaktieren Kritiker und behaupten, ich würde mich „nur“ deshalb für Kriegsflüchtlinge einsetzen, weil die Medien dagegen sind. Was jedoch nicht der Wahrheit entspricht, die Medien sind für Kriegsflüchtlinge – jedenfalls die Leitmedien. Mich interessiert jedoch nicht, was die Medien schreiben oder für wen sie Partei ergreifen. Ich sage nur, dass die Kriegsflüchtlinge nicht als solche medial betitelt werden müssen, denn es sind nur eines; MENSCHEN. Und genau darum geht es mir, wir Deutschen befinden uns derzeit in einer politischen Situation, wo wir glauben, uns das Recht rausnehmen zu können, dass wir Menschen willkürlich verurteilen. Nach dem Motto: „Kriegsflüchtlinge brauchen wir nicht ...“ – aber das haben wir nicht zu entscheiden, es geht darum, dass auf der Welt leider Krieg herrscht und wir können nur versuchen, das Leid der Opfer einigermaßen zu heilen. Immer wieder hört bzw. liest man die Hetzparole im Internet „Ihr seid ein widerliches Volk“ – das sagen pubertierende Menschen, die noch nie in einem Kriegsgebiet waren. Welches Recht nimmt sich der Mensch heraus, solch ein Urteil fällen zu dürfen? Wir werden mittlerweile wirklich von Hass gesteuert und ich verstehe nicht, dass wir noch mit Stolz behaupten, dass wir gute Katholiken seien oder ehrenhafte Moslems sind. Denn jeder Bürger, der sich derzeit gegen die angebotene Hilfe ausspricht, kann nichts von beiden sein. Er vertritt keine der Werte wie „Nächstenliebe“ oder „Barmherzigkeit“.

Asyl- oder Hilfe anbieten, wo Hilfe benötigt wird, hat definitiv nichts mit „Mitleid“ zu tun, sondern mit Menschlichkeit. Und viele Publizisten betonen derzeit, sie seien nicht „Rechts“ oder „Links“ orientiert, würden aber erkennen, dass man Mitleid nun als Waffe gegen das Volk einsetzt. Wobei dies so nicht im Raum stehen bleiben darf, denn „Mitleid“ wäre, wenn ich mit den Menschen leiden würde, das deutsche Volk erleidet jedoch keinen direkten Schaden – oder wurde dem Volk irgendeine zusätzliche Steuer auferlegt? Nein, das Volk erleidet (derzeit jedenfalls) keinen direkten Schaden, somit ist das Wort „Mitleid“ nicht zutreffend, es ist notwendige und menschliche Hilfe, es ist Nächstenliebe. Es wird leider immer wieder davon berichtet, dass Asylbewerber eine Last für den Staat seien, das ist natürlich (anfangs) richtig. Doch wieso schließt man automatisch darauf, dass diese arbeitslos bleiben?! Was hat das eine, mit dem anderen zu tun? Nichts, es sind Vorurteile und genau deshalb, sollte man einmal darüber nachdenken, wer seit Jahren dieses fragwürdige Menschenbild schürt.

Man sollte bzw. muss die Menschen den Respekt erweisen, den sie verdient haben. Wir geben uns Respektlos und sind die ersten in der Reihe, die Respekt verlangen. Ich möchte niemanden der Bevölkerung einen direkten Vorwurf machen, ich möchte nur, dass man sein eigenes Verhalten hinterfragt. Wir müssen miteinander leben, wieso machen wir uns das Leben unnötig schwer? Man betont immer wieder, man habe Angst. Glauben Sie, dass Kriegsflüchtlinge keine Angst haben? Es gibt kein Argument, das Rassenhass rechtfertigt. Wir haben die Waffen geschmiedet und wundern uns, wenn Waffen Menschen töten. Wir haben Wind gesät und ernten nun den Sturm. Den Krieg, den Deutschland und einige andere Länder über Jahre hinweg außerhalb unserer Grenzen erschufen, wurde lange Zeit wirklich gut ignoriert, jetzt stehen die Opfer vor unseren Grenzen und wir wundern uns darüber, ernsthaft?

Es ist keine Bestrafung, man sollte die Menschen nicht als „Fluch“ betrachten, es ist das Ergebnis unserer Regierung. Es ist gezieltes Ignorieren, das der deutschen Gesellschaft nun den Spiegel vorsetzt. Und weil es wie ein Schlag ins Gesicht wirkt, versucht die Regierung nun einer Schuldzuweisung auszuweichen, aber jeder klardenkende Mensch müsste erkennen, dass hier die Wut der Gesellschaft, die falschen Menschen trifft. 

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